Print bleibt. Punkt.

Kind_mit_papierschiffchen_Spreevia taz blog

Hmmm, dieser Geruch! Und das Rascheln! Beides erinnert mich daran, wie meine Eltern am Kaffeetisch die Zeitung lasen – ein festes Familienritual. Ich schnitt damals die Artikel, die mir besonders gefielen, aus und füllte mit ihnen die Wände und Schränke meines Jugendzimmers. Anfangs, weil das Foto hübsch war, später, weil der Artikel mich begeisterte.

Das gedruckte Wort ist für mich nicht nur eine wunderschöne Zeitreise, sondern mein täglicher Begleiter. Meine Augen genießen die Entspannung, die eine gedruckte (Zeitungs-)Seite mit sich bringt. Und das, liebe Schwarzseher, ist nur ein Grund von vielen, warum Print nicht sterben wird.

Ich rede von schönen Erinnerungen, wie soll das bitte etwas über die Zukunft aussagen? Und doch ist das, was die Zeitung ausmacht, gar nicht angestaubt, sondern noch immer aktuell und wichtig. Hier einige Punkte, warum das Printprodukt niemals von der digitalen Version verdrängt werden wird:

  1. Alles wird digital und das ist anstrengend: Jeden Tag sitzen wir sPolitiker (1)tundenlang vor dem Computer. Das gibt „viereckige Augen“. Die Menschen werden es leid, immer nur auf Bildschirme zu starren, Körper und Geist brauchen und wollen Abwechslung. Vor allem dann, wenn die Texte sehr lang sind.
  2. Die gedruckte Zeitung kann ich überall mit hinnehmen. Ich brauche keinen Strom dafür. Ich schwinge mich aufs Rad, Zeitung auf den Gepäckträger geklemmt, strample zum Strand und lese in den Dünen die Zeitung. Übrigens: Sand macht Printprodukten auch nichts aus.
  3. Eine Zeitung ist flexibel: ich kann sie knautschen, knicken, zusammen- und aueinanderfalten, fallen lassen, zusammenrollen und überallhin mitnehmen. Stellen Sie sich ein Tablet zwischen Kaffeetassen, offener Marmelade und zappelnden Kindern vor. Das riskieren Eltern nicht gerne.
  4. Eine gedruckte Zeitung ist etwas für alle Sinne: Das rascheln hören, die Seiten fühlen, die Tinte riechen. Herrlich! Der Mensch liebt es nun mal, alle Sinne zu benutzen. Nicht nur die Augen.
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  5. Die Tradition der analogen Zeitung ist in Deutschland und Europa tief verwurzelt. Das sollten sowohl Verleger als auch Journalisten nicht unterschätzen. Sie gehört für viele Menschen an den Frühstückstisch und mittlerweile in das Bild einer idyllisch beisammensitzenden Familie. Sie hat Gewicht. Eine gute Zeitung kann und wird weiterhin nicht nur überleben, sondern schwarze Zahlen schreiben – in guter Kombination mit dem Internet. Wie das geht zeigt die Zeit, deren Auflage steigt (IVQ I/2013) und steigt (IVW 2/2013). Übrigens: Auch die regionalen Zeitungen haben wieder zugelegt.
  6. Und ich komme nicht umhin zu betonen: Zeitung ist auch Nostalgie. Einen selbstausgedruckten Artikel zu archivieren ist einfach nicht dasselbe, als ihn aus der Zeitung auszuschneiden. Und das ist, zumindest für mich, auch ein wichtiger Punkt.

Und wem das nicht reicht, dem möchte ich zum Schluss sagen: Aus nichts kann man als Kind so einfach und schnell tolle Hüte und/oder Schiffe basteln, wie aus Zeitungspapier.

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