Lokaljournalismus: Themenfindung per Soziale Netzwerke

web-Social-MediaGerd Altmann / pixelio.de

Spannende Themen für den Lokalteil der Zeitung zu finden ist nicht immer einfach. Ich bin oft online auf der Suche nach interessanten und spannenden Inhalten. Klingt nach abschreiben? Falsch gedacht. Es geht nicht darum, sich einfach bei anderen Zeitungen umzusehen – obwohl man auch so viele gute Ideen findet – sondern darum, sich über die Sozialen Netzwerke richtig zu vernetzen.

Soziale Netzwerke sind auf zwei Arten hilfreich, die ich in diesem Beitrag gerne vorstellen möchte:

  1. Themen-Verifizierung: Ich habe ein Gerücht gehört und überprüfe es
  2. Themen-Findung: Über die Kommunikation per Facebook bekomme ich neue Informationen, die sich zu einer guten Geschichte verarbeiten lassen.

Beides erläutere ich anhand von Facebook, weil ich mithilfe dieses Netzwerks bisher die besten Geschichten recherchiert bzw. bearbeitet habe.

Themen überprüfen

Vor einigen Wochen brannte in unserer Stadt eine der wenigen verbliebenen Diskotheken aus. Es war DER Club für Liebhaber alternativer Musik. Kurz vor 22 Uhr abends erhielt ich eine SMS, die mir davon berichtete. Wollte mich mein guter Freund nur veralbern (für mich selbst war der Brand eine Katastrophe!)? Ich rief beim Spätdienst der Online-Redaktion an. Der Redakteur hatte keine aktuelle Feuerwehr- oder Polizeimeldung bekommen. Wir waren uns einig, dass wir sofort handeln und weitere Details dazu herausfinden mussten. Und hier kommt Facebook ins Spiel.

Auf der Webseite der Diskothek war bisher kein Beitrag zu finden, auch nicht im Facebook; weder verzweifelte Nachfragen neugieriger Besucher, noch Informationen der Betreiber selbst. Also nutzen wir die Facebook-Suche, die eine ganz tolle Funktion hat, die viele nicht kennen: Nachdem die Suchanfrage verschickt ist, erscheint auf der linken Seite ein neues Menü, bei dem man „öffentliche Beiträge“ auswählen kann. Und siehe da: Plötzlich ploppten vereinzelt Beiträge auf, teilweise direkt von den umliegenden Nachbarn, die sogar Bilder mit ihrem Handy hochgeladen hatten.

Es stimmte also! Über die Feuerwehr oder die Polizei war bis dato noch immer keine Meldung herausgegangen. Wir lagen also – so hofften wir zumindest – bei der Recherche gegenüber der Konkurrenz vorn. Aus dem Brand ist noch in derselben Stunde ein Bericht auf der Homepage der Tageszeitung mit Fotostrecke erschienen, die wir auch auf die Facebook-Seite der Diskothek stellten. Am nächsten Morgen hatte die Fotostrecke bereits über 100.000 Klicks. Und das vor allem, weil wir die Ersten und besonders schnell waren.

Diese Suche innerhalb von öffentlichen Beiträgen ist außerdem eine nützliche Funktion, mit deren Hilfe ich ab und an einfach den Stadtnamen eingebe und schaue, was die Leute gerade bewegt. Beschwerden darüber, dass die Diskotheken und Kneipen sterben sind dabei genauso interessant, wie die Aufregung über Lärmbelästigung an einer bestimmten Straße der Stadt.

Netzwerk-Kommunikation

Heutzutage sind sie alle in den Sozialen Netzwerken zu finden: Bürgerinitiativen, Vereine, Seiten für Stadtviertel, lokale Parteien und Kultureinrichtungen. Die Betreiber selbst sind oft sehr professionell, posten nur Informationen, die auf den ersten Blick kaum Brisanz enthalten. Bis die ersten Kommentare dazu kommen.

In einem Verein wurde intern hitzig über die Nutzung bestimmter Gelder diskutiert, in den Kommentaren heißt es, „ach, habta das jetzt doch durchgedrückt…“ oder „die Hüpfburg wäre cooler gewesen“. Klingt nicht so spektakulär? Stimmt. Manchmal ist es das auch nicht. Andererseits kann dahinter aber auch ein faustdicker Streit stecken, der ein ganzes Dorf beschäftigt. Es gibt in unserem Kreis Schützenvereine, die mehr Mitglieder zählen, als der Ort Einwohner hat. Da kann ein interner Streit schon die gesamte Dorfgemeinschaft belasten.

Vor einigen Wochen rollte mein Kollege so die Diskussion über die Diskotheken- und Kneipen-Szene in der Stadt neu auf, da immer mehr Etablissements dieser Art schließen müssen. Nicht, weil die Nachfrage nicht da ist, sondern aus verschiedenen anderen Gründen, die so aufgearbeitet werden konnten. Was sagen die Betreiber? Was die Besucher und was die Politik? Ein schönes Lesestück und vor allem für die vielen Studenten hier ein interessantes Thema.

Sensibilität

Solltet ihr online auf Diskussionen stoßen, seid vorsichtig bei der Weiterverarbeitung. Soziale Netzwerke sollen weiterhin als Quelle zur Verfügung stehen. Also, verprellt die Menschen nicht. Seid behutsam, bei eurem weiteren Vorgehen.

Ihr solltet euch ferner selbst aus diesem Diskussionen heraushalten. Als möglichst objektiver Journalist habt ihr in den Streitgesprächen, über die ihr berichten wollt, erst einmal nichts zu suchen. Vor allem könntet ihr die Diskussion durch eigene Meinungen in eine bestimmte Richtung stoßen. Das solltet ihr vermeiden.

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