Frau und Herr wer? – Der Journalist als Marke

 KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAS. Hofschlaeger  / pixelio.de

Man nehme: Eine Runde Journalisten, ein paar Gläser Bier, eine lockere Atmosphäre und schon entsteht eine wilde Diskussion darüber, ob man als professioneller Schreiber für den Leser zählt – zumindest bei mir und einigen Freunden war das so. Wir fragten uns: Gibt es in einer regionalen Tageszeitung den Journalisten als einzelne Marke?

Bei unserer Diskussion habe ich ganz deutlich gesagt: Ja, der Leser erkennt den Namen, erkennt den Journalisten. Er weiß, wen er gerne liest und welcher Schreibstil ihm gefällt. Aber jetzt, wo ich zu Hause in meinem Schaukelstuhl vor mich hin sinniere, bin ich mir doch nicht mehr so sicher. Wie viele Redakteure der Tageszeitung meiner alten Heimat kenne ich eigentlich noch? Mir fällt spontan ein Negativbeispiel ein, aber etwas positives? Puh!

Seitdem ich selber schreibe, ist das anders. Ich merke mir die Namen guter Kollegen, kann mir noch etwas abschauen, lernen, und einfach guten Journalismus genießen. Ich mag, wie Karsten Lohmeyer und Stephan Goldmann schreiben, die Meinung von Michalis Pantelouris und Richard Gutjahr. Wenn ich viel Zeit habe, schaue ich bei Stefan Niggemeiers Blog vorbei. Und ich liebe den Stil eines Kollegen aus der Kulturredaktion.

Eine Umfrage! Achtung, eine Umfrage!

Wie ist das bei anderen? Ich habe in meinem Umfeld nachgefragt: Kennt ihr die Redakteure der Zeitungen/Zeitschriften, die ihr lest? Wer zu welchem Ressort gehört, wer wie gut schreibt? Habt ihr einen Lieblingsredakteur? Oder ist es egal, wer dahinter steckt, solange der Text gut ist?

Das Ergebnis spiegelt deutlich wider: Journalisten haben eine andere Fremd- und Selbstwahrnehmung als die Leser.

Was die Journalisten sagen

Die Journalisten haben Lieblingsschreiber, wie beispielsweise Christian, der mit Hilfe einer RSS-Funktion den einzelnen Autoren bei der „Zeit“ folgt. Er lese auch Texte, die ihn gar nicht interessieren, wenn sie aus der Feder einer seiner Lieblinge stammen. Ralf berichtet, dass die Spiegel-Redaktion in den 80ern gar keine Autoren-Namen veröffentlicht haben und Jan ist sehr direkt: Es würde vor allem die Journalisten selbst interessieren, welcher Journalist über oder unter welchen Text seinen Olli schreibt. Natürlich kann er trotzdem einige Namen nennen. Genau wie Frederik, der als einziger auch die Lokaljournalisten seiner Tageszeitung als Lieblingsautoren anführt.

Was die Leser sagen

Und dann sind da die Leser, die sich mit diesem Thema anscheinend nicht befassen. Wie Lydia, die niemals auf Namen achtet außer, wenn ein Text „richtig schlecht geschrieben ist“. Um den Autoren macht sie dann einen Bogen. Oder Oliver, der schon auf die Autoren seiner Tageszeitung achtet, aber ebenfalls die besonders schlechten im Gedächtnis behält. Patrick nennt direkt einen Lieblingsautoren, und Nick interessiert sich nur fürs Thema, nicht für den Schreiber dahinter.

Und jetzt?

Das Ergebnis hat mich doch sehr überrascht. Wir Journalisten halten uns nicht nur bei Terminen unauffällig im Hintergrund, sondern allem Anschein nach auch im Redaktionsalltag. Das gilt für die Kollegen genauso wie für mich selbst.

Es ist an der Zeit, sich aus dem Schatten zu lösen und eine Eigenmarke zu werden. Vor allem in Zeiten schwieriger Job-Verhältnisse in der Medienbranche.

Print

Dass eine gute Qualität bei Artikeln dazu gehört, steht außer Frage. Für viel wichtiger halte ich das Verhalten bei Terminen: Sowohl jeder unhöfliche Fehltritt als auch jede höfliche Geste werden von Anwesenden genau registriert. Und ja, dass muss hier extra genannt werden. Zu oft habe ich schon bei Terminen unhöfliche Kollegen erlebt, die meckernd und murrend sehr deutlich zeigten, dass sie gerade das 25. Schützenfest besuchen und überhaupt gar keine Lust mehr hatten. Einige Termine mögen anstrengend sein und nicht das eigene Metier, dennoch ist es für das Schützenpaar und den jeweiligen Ort eine große Sache, die auch ein Journalist respektieren und ernst nehmen sollte.

Auch Kommentare sind sehr wichtig, um die Eigenmarke herauszustellen – insbesondere für Print. Die Leser suchen sich das Weltgeschehen im Netz, warum sollten sie noch eine Zeitung lesen? Die Kommentare sind der Unterschied. Die anonyme Zeitung bekommt ein Gesicht, im besten Fall das Eigene. Eine Meinung oder ein Kommentar sind vor allem im Kulturteil wichtig. Hier bekomme ich von Lesern die größte Resonanz in Form von Leserbriefen und direkten Gesprächen.

Online

Dein Kommentar gibt dir ein journalistisches Gesicht, auch online. In einem eigenen Blog kann sich jeder in diesem Bereich austoben und ausprobieren. Es bietet sich an, zu einem ganz bestimmten Thema zu schreiben, aber auch ein bunter Blog, ähnlich wie der Meinige, sind möglich. Eine thematische Auswahl zu treffen ist dabei aber vorzuziehen, da so deine Leser wissen, worauf sie sich einlassen und sie zu ihrem Interesse immer wieder Beiträge finden.

Wenn dein eigener Blog startklar ist (Wie geht das?), solltest du ihn in Sozialen Netzwerken verbreiten, per Facebook, Twitter und Co. Karsten Lohmeyer hat hier einige gute Tipps parat. Solltest du dich auf bestimmte Themen festgelegt haben, besuche die großen Blogs der Sparte, diskutiere dort mit, mache dir so einen Namen.

Du bist gefragt

Du hast selbst noch Tipps, Ideen, Anregugnen und Kritik? Super. Dann lass sie mich und die anderen Leser wissen – Nutze die Kommentarfunktion!

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